Wenn drei Musiker auf der Bühne stehen, die einander seit Jahren kennen, schätzen und inspirieren, entsteht etwas Besonderes. So geschehen beim „Abend zu dritt“ mit Ulli Bäer, Matthias Kempf und Andy Baum. Der „Kulturzwickl“ hatte die drei Austropop-Größen für ein Konzert in den (ausverkauften) Stadtsaal Zwettl geholt.
Drei Männer, drei Gitarren, drei Stimmen – und ein Pool an selbstgeschriebenen Liedern aus zwei Jahrhunderten, aus dem sie schöpfen können: In Zwettl standen die drei Musiker zum 77. Mal gemeinsam auf der Bühne, heuer geht diese teilweise bereits angegraute, „in die Jahre gekommene Boyband“ (Eigendefinition) in ihr achtes gemeinsames Jahr – untrügliches Zeichen dafür, wie gut diese „Abende zu dritt“ beim Publikum ankommen.
Charismatische Bühnenpräsenz
Bäer, Kempf und Baum machten aus dem Abend ein ganz besonderes Konzerterlebnis, das von handgemachter Musik, hochwertigen Texten und einer charismatischen Bühnenpräsenz sowie großer Spielfreude und viel Schmäh geprägt war.
Andy Baum begann „gemütlich“, wie er meinte, nämlich mit dem wunderschönen Lied „Don’t make a fool out of me“, das die Erwartungen des Publikums gewaltig schürte. Matthias Kempf präsentierte die Single-Auskoppelung „nur vor an koidn herz“ aus seinem neuen Album, das im März erscheint. Ulli Bäer, der in früheren Jahren kreuz und quer im Waldviertel unterwegs und zum ersten Mal Gast des Kulturzwickls war, startete – unter Publikumsbeteiligung – mit dem Lied „Verkrampf di net“ aus dem Jahr 1983, das noch immer sehr aktuell ist.
„Hitte“ und ganz leise Töne
Auf dem weiteren Programm standen „Hitte“ (Copyright: Ulli Bäer) der drei Musiker ebenso wie „Fremdlieder“, Lustiges ebenso wie Nachdenkliches und auch ganz leise Töne. So war Bäers Coverversion von „Rock me Baby“ (Jonny Nash) – „Pack mi Baby“ – ebenso zu hören wie „Du bist a Of’n“ von Kempf, ein bitter-böses „Liebeslied“: „Ich wollte eigentlich ein Liebeslied schreiben, beim Schreiben wurde es dann zu einem Beziehungs-Chanson, und herausgekommen ist ein Trauerspiel-G’stanzl.“ Vor der Pause gab’s dann noch ein „Meisterwerk meiner selbst“, Ulli Bäers „Der Durst“.
Lustig und nachdenklich ging es auch nach der Pause weiter. „Ich wollte ein Wienerlied schreiben“, berichtete Matthias Kempf – entstanden ist die „Hiebeserklärung“, eine heitere Sauftour durch alle Wiener Bezirke. Nicht fehlen durften Baums „Hitte“ „Slow down“ und eine „altersadäquate Version“ von „Still remember Yvonne“, denn „manche Lieder passen nur in die Zeit, in der sie entstanden sind“, erklärte Baum.
Danzer war omnipräsent
Die leiseren Töne folgten mit einem Lied, das Bäer nach dem Freitod seiner Mutter komponiert hatte, zu dem ihm aber die Worte fehlten. Diese steuerte dann der großartige Georg Danzer bei: „Des wird nie wieder guad“. Überhaupt spielte Danzer auch an diesem Abend eine große Rolle, einerseits mit der Coverversion von „Hotel California“ von den Eagles, das Danzer 1:1 ins Deutsche übersetzt hat, andererseits mit der Popballade „Alle Lichter“ von Ulli Bäer, die in den offiziellen Liederkatalog von „Austria 3“, zu denen auch Danzer gehörte, aufgenommen und mit der das offizielle Programm des Abends beschlossen wurde. Und nicht zuletzt bei der dritten Zugabe des Abends „Loss mi amoi no d’sunn aufgeh‘ segn“, mit der das Trio die Zuhörer in die Nacht verabschiedete.
Zu den drei Gitarren gesellten sich ab und an auch die Mundharmonika, das Cajón und ein „neugeborener Kontrabass“ (Bass – Ukulele), all samt gespielt von Andy Baum.
Ohne Moderation wär’s nix
Die Drei betonten immer wieder, welch große Freude sie haben, in dieser Formation spielen zu dürfen, und wie schön es ist, über die Musik Gefühle zu äußern. „Mit Musik kann man ausdrücken, was man so nicht sagen kann“, erklärte Kempf. Nicht wegzudenken an diesem „Abend zu dritt“ ist die launige, ausgesprochen unterhaltsame Moderation der drei Austropopper. Die G’schicht’ln, die sie erzählen, wirken stets sehr spontan – auch wenn sie diese schon oft zum Besten gegeben haben – ein gut eingespieltes Team eben. Und bei allem Spaß gab es dazwischen doch auch sehr kritische, gesellschaftspolitische Worte von Andy Baum, die zum Nachdenken anregten.
Bäer, Kempf und Baum streuten dem Publikum Rosen („Ihr seid entzückend!“) und fühlten sich in Zwettl sichtlich wohl: „Was war das für ein unglaublicher Abend gestern. Die Buben suchen immer noch nach Worten. Kulturzwickl in Zwettl, ihr habt uns den schönsten und würdigsten Rahmen für unser 77. Konzert geschaffen!“, ließen die Musiker am nächsten Tag wissen. Auch für Kulturzwickl-Obmann Gerhard Uitz war es ein Abend, „der lange nachklingt: warmherzig, musikalisch vielfältig und getragen von echter Freundschaft!“ Und so sah es auch das begeisterte Publikum, das den drei Musikern mit Standing Ovations für den wunderbaren Abend dankte.
Danke an Dieter Edinger Stage Support Eventtechnik für den perfekten Ton, Andreas für das wunderschöne Licht und Peter Koppensteiner für die unfassbar schönen Fotos.
(c) Bericht: Brigitte Lassmann-Moser, Fotos: Peter Koppensteiner
