Ein kleines Jubiläum gab es am Freitag, 13. März 2026, zu feiern: Der bekannte italienische Singer-Songwriter Pippo Pollina war zum fünften Mal zu Gast in Zwettl – und doch wird man nie müde, ihn zu hören. Ob solo, ob mit Band, ob mit Quintett… jedes Konzert Pippos ist anders, aber jedes ist wieder wunderschön.
Diesmal machte der schon lange in der Schweiz beheimatete, gebürtige Sizilianer im Zuge seiner Tour „La vita è bella così com’è“, die ihn durch die Schweiz, Deutschland, Österreich und Italien führt, mit dem „Quartetto Acustico“ Station in der Kuenringerstadt: Cecile Grüebler (Cello), Elisa Sandrini (Piano und Gesang), Gionata Colaprisca (Perkussion) und sein alter Freund Roberto Petroli (Klarinette und Sax), mit dem er bereits seit 15 Jahren unterwegs ist und der ebenfalls bereits mehrfach in Zwettl spielte, begleiteten ihn bei seinem Konzert im Stadtsaal – allesamt ganz hervorragende Musiker, deren Instrumente mit der Stimme Pippos quasi verschmelzen und so eine wunderschöne Klangwolke bilden. Pippo begleitete sich selbst mit der Gitarre, wechselte aber auch schon mal ans Klavier, währenddessen Pianistin Elisa, die ihn auch gesanglich unterstützte, zum Akkordeon griff.
Schon der Auftakt des Abends war ein besonderer: Pollina betrat nicht gleich die Bühne, sondern kam gleichsam durch die „Hintertür“, streifte singend und – unplugged – Gitarre spielend durch den Saal, ehe er gemeinsam mit seinen Musikern die Bühne betrat.
Es war ein sehr politischer Abend
Pollina, dessen Markenzeichen sein kraftvoller, emotionaler Gesang und seine lyrischen Texte sind und der in seiner langen musikalischen Laufbahn schon mit unzähligen bekannten Kollegen gemeinsam musiziert hat, ist ein sehr politischer Mensch, ein nachdenklicher, tiefsinniger Pazifist, der nicht müde wird, für den Frieden auf der Welt einzutreten. Dieses Konzert aber war besonders politisch, ohne dass allerdings dessen Unterhaltungswert geschmälert wurde.
„Ich hatte das Bedürfnis, wieder ein politisches Album zu schreiben, um unsere Aufmerksamkeit wach zu halten“, erklärte Pippo Pollina. „Wir leben nämlich in einer sehr komischen Zeit, in der das Wort ,Krieg‘ wieder zum täglichen Brot geworden ist.“ Entstanden ist das Album „Fra guerra e pace“ (Zwischen Krieg und Frieden), sein mittlerweile 25., das aber trotz der bisweilen schwer verdaulichen Thematik nur „Hoffnungslieder“ enthält. „Ich stehe immer auf der Seite der Menschen und nicht auf Seiten der Macht!“
Gänsehautfeeling pur
Aus diesem Album war an diesem Abend u.a. die Single-Auskoppelung „La notte dei cristalli“ zu hören, ein Lied in Erinnerung an die Reichskristallnacht 1938, das er gemeinsam mit seinen beiden Kindern Madlaina und Faber – beide ebenfalls Musiker – aufgenommen hat. In Zwettl übernahm Elisa die Stimme seiner Tochter. Aber auch weitere Songs aus dieser Produktion fanden sich im Programm, wie „Il volo del colibri“, „Free Palestina”, „Questo tempo insieme” oder „Rosabianca”– letzterer eine Hommage an die „Weiße Rose“, die Widerstandsbewegung der Geschwister Scholl. „Ich habe immer mutige Menschen sehr bewundert!“ Das titelgebende Lied der Tour „La vita è bella così com’è“ sang und spielte er dann ganz allein am Klavier – Gänsehautfeeling pur…
Es durften aber auch fröhliche Lieder an diesem Abend nicht fehlen, wie sein bekanntes „Mare, mare, mare“ („Der Winter war lang, deshalb ein Sommerlied!“) oder das Stück „Sambadiò“, das er noch bei allen Konzerten in Zwettl gespielt hat, diesmal allerdings in der originalen Version, wie sie vor 23 Jahren aufgenommen wurde – instrumentiert mit der „Lyra pontian“ aus Griechenland – gespielt von Cellistin Cecile -, die mir ihrem speziellen Klang für eine ganz besondere Stimmung sorgte.
Pippo trifft immer ins Herz
Pippo Pollina schreibt und singt seine Lieder ausschließlich in Italienisch, ihre Aussage aber trifft dank seiner erklärenden, eindrucksvollen, oft nachdenklich stimmenden, aber immer berührenden Worte, mit denen Pollina durch das Programm führt, auch bei den nicht dieser Sprache Mächtigen stets ins Herz. Ein Zuhörer brachte es am Ende des Konzerts folgendermaßen auf den Punkt: „Ich habe mir nicht vorstellen können, einen so schönen Abend zu erleben, ohne ein Wort zu verstehen!“
Die Stimmung im Saal war jedenfalls bombastisch, das Publikum – darunter Fans, die teilweise von sehr weit her extra angereist waren – belohnte Pippo Pollina und das „Quartetto Acustico“ mit frenetischem Applaus, es gab Pfiffe, Bravo-Rufe und Standing Ovations für ein Konzert mit wunderschöner Musik, einer starken Haltung und vielen Emotionen, das Hoffnung gibt, weil das Leben schön ist, so wie es ist. Es wird bei den Zuhörern noch lange nachwirken…
Danke Freddi für den Ton, Alessio für das Lich, Dieter Edinger Stage Support Eventtechnik für den Ton- und Technik Support, und Andreas Pribitzer für den Licht-Support!
(c) Konzertbericht: Brigitte Lassmann-Moser
(c) Fotos: Kulturzwickl
